Willkommen beim Presseportal DirectDykNews

Strategische Beratung, Konzeption und Integration mit Schwerpunkt auf Print, Online und Social Network.


 
D-Berlin. 18.06.2017. Zugegeben: die Versuchung, Beth Ditto anlässlich ihres Solo-Debütalbums nach der Auflösung ihrer Band Gossip mit ausufernd blumigen Worten anzukündigen, ist groß. Doch wozu das ganze Tamtam, wenn die in Arkansas geborene Sängerin es selbst mit ein paar markanten Zeilen (begleitet von einer wuchtigen Kickdrum plus wummerndem Bass) doch so viel besser auf den Punkt bringt. „Two sisters, four brothers/Hard worker, like my mother/Not bitter, so sweet/Strawberry ca-ca-canned peach!“ singt sie im (von Jacknife Lee mitgeschriebenen) Song „Oo La La” und schlägt damit mal eben die thematischen Grundpfeiler von „Fake Sugar” ein: Familienzusammenhalt, der Mut des Punks, toughe Südstaaten-Attitude und die vom-Tellerwäscher-zum-Plattenmillionär-Story unserer Gastgeberin. Sie hat die persönlichen Kämpfe ihres Lebens in Musik verwandelt, die zugleich süß und vertraut klingt. Produziert wurde der generalüberholte Mashup aus treibendem Blues, Eisdielen-Pop, schwärmerischem Rock und Country-eskem Soul von Jennifer Decilveo (Andra Day, Ryn Weaver). Die zwölf Songs des Albums widmen sich den Themen Liebe, Verlust, Rückblick und Vorausschau, vorgetragen mit all jener Sexiness, Intensität, Kraft und Schönheit, wie es nur eine große Künstlerin wie Beth Ditto vermag.

Mit Beth Dittos gnadenloser Stimmgewalt und ihrer umwerfenden Präsenz, eröffnet „Fire“ das Album wie ein Paukenschlag: In „Fire” singt die 36-jährige zunächst: „get up-up-up if you want my love”, bevor sie den Songtitel heraus bellt, begleitet von einer alles zermalmenden Ladung aus Gitarren, Drums und Keyboards, versetzt mit Psych-Pop-Elementen und Dub-Effekten, die einen an das geschickte Produzentenhandwerk eines Danger Mouse erinnern. Es war wohl genau dieser Mangel an Leidenschaft, die nun in jeder Sekunde auf „Fake Sugar“ spürbar ist, die den Versuch, ein sechstes Gossip-Albums in Angriff zu nehmen, scheitern ließ. Nach siebzehn Jahren, in denen die Band stetig tanzbarer werdenden Garage-Punk veröffentlichte, „war keiner mehr mit dem Herzen dabei“, wie Ditto es heute formuliert. Band-Mitbegründer Nathan Howdeshell zog zurück nach Arkansas, sie selbst fand sich in Los Angeles wieder, wo sie sich mit Songwritern traf, um die nächsten Schritte der Band zu besprechen. Beth Ditto war wohl oder übel zum alleinigen Fokus der Gruppe geworden. „Ich hatte das Gefühl, schuld daran zu sein, wenn wir Misserfolg haben, und verantwortlich dafür zu sein, wenn wir erfolgreich sind“, erläutert sie die Zwickmühle, in die sie geraten war. Die Zeit war reif. „Die Entscheidung war für mich im Grunde schon gefallen”, erinnert sie sich.

Ditto hielt Meetings mit Produzenten und Songwritern ab, um zu sehen, ob und bei wem etwas hängen blieb. Einige hinterließen einen bleibenden Eindruck, wie z.B. Jacknife Lee. Decilveo hingegen wurde zu Dittos Haupt-Partnerin. Die Aufgabe der Grammy-nominierten Produzentin war es, Dittos Punk-Neigung mit Pop-Elementen in Einklang zu bringen. Oder in Beths Worten: „Sie war die Rollerblades zu meinen Roller Skates. Wir diskutierten den ganzen Tag und ich fand es großartig.“

Über achtzig Songs entstanden - eine beeindruckende Zahl, die sowohl die stilistische Bandbreite des Albums als auch den Mangel an Füllsongs erklärt. Der Song „In And Out“ ist ein Hipshaker mit Fifties-Girlgroup-Vibe, „Savoir Faire“ vereint einen Disco-Kracher mit Dittos schmetternden Rock-Vocals und „Go Baby Go“ ist eine Hommage an Suicide-Sänger Alan Vega, die in schwarzes Leder gehüllt die interstellare Sound-Autobahn runterbrettert. Und auf „Oh My God“ demonstriert die Sängerin eindrucksvoll den Unterschied zwischen Tina Turner und Bobbie Gentry.

Ein ganz entscheidender Moment im Entstehungsprozess der LP war der Graceland-Besuch mit ihrer Schwester. Während ihrer Ehestreitigkeiten hatte sie plötzlich eine Obsession für das gleichnamige Paul Simon-Album aus dem 1986 entwickelt (der musikalische Einfluss lässt sich u.a. beim luftigen Folk-Pop-Titelsong erahnen, der sich auch in jeder Tropical-House-Playlist gut machen würde) und sich in den Kopf gesetzt, eine Pilgerfahrt dorthin zu unternehmen. Und ausgerechnet an diesem Ort, dem Schrein ungezügelter Südstaaten-Extravaganz und Musikgeschichte, fand Ditto nicht nur einen Zugang zu ihrer eigenen Vergangenheit, sondern auch jenen Frieden und jene Stärke, die sie nun benötigte.

Und das bringt uns zu der Familie, die Ditto im Westen des Landes gründete. „Das erste Jahr Ehe ist Mist, aber das erzählt einem vorher ja keiner“, hadert sie. „Wir waren beste Freundinnen, mussten uns aber als Ehepartner neu begegnen.“ Es war alles andere als rosig. Das dauernde Auf-Tour-sein hinterließ seine Spuren, allmählich schlichen sich erste Risse in die Verbindung und das Vertrauen war dahin. Der nüchterne Song „Lover“ erzählt von jenen Unsicherheiten, doch das Paar fand schließlich eine gemeinsame Basis und auf „Fake Sugar“ entwirft Ditto ein facettenreiches Bild von Liebe, das ebenso maßlos-romantisch wie behutsam-realistisch ist. Mit dem Track „We Could Run“ holt Beth die Platte auf episch mitreißendes U2-Niveau. In dem Gary Jules-esken Piano-Pop-Song „Love In Real Life“ gurrt sie: „What more could we ask for, some kind of fantasy? / When there's no one I want more, more than anything“. Irgendwann im Laufe des Entstehungsprozesses kam ihr die Idee, das Album „Music For Moms” zu nennen – als augenzwinkernde Referenz an das 2009er Gossip-Album „Music For Men” und ihre eigene, neue Sesshaftigkeit. „Das ist das Erwachsenenleben, Baby“, schmunzelt sie. „Du hast für die Gleichstellung der Ehe gekämpft, jetzt musst du auch mit ihr Leben.“

Nach ihren gefeierten Auftritten beim ECHO 2017 und Germany´s Next Topmodel, wird Beth Ditto am 25.06.2017 bei Ina´s Nacht auftreten. im September kommt Beth Ditto nach Deutschland auf Tour!

Tourdaten:
21.09.2017 Berlin, Huxleys Neue Welt
22.09.2017 Hamburg, Reeperbahn Festival
26.09.2017 Köln, E-Werk
27.09.2017 München, Muffathalle
28.09.2017 A-Wien, Arena Wien
01.10.2017 CH-Zürich, Volkshaus
05.10.2017 Frankfurt, Batschkapp
 
Bild: Album-Cover Fake Sugar. (Foto: Mary McCartney)
 
Beck To Music
Schlesische Str. 31, 2. HH
D-10997 Berlin
www.goo.gl/1Hrv6a